Kategorie: Political Correctness

Frauenfeindlich sondagleichen

Soso, jetzt hat es also Sondaschule erwischt. Vom Sommerfest der Uni Siegen aufgrund sexistischer Texte ausgeladen. Die Armen. Man könnte darüber nachdenken, dass in Siegen jeder Gedanke an Sex per se im Keim erstickt wird, oder darüber, dass Sondaschule an dem Tag stattdessen ein Solidaritätskonzert  gegen Homophobie und Sexismus spielten und auf den Eintrittsarmbändchen „Pro Vagina“ zu lesen war. Wahlweise auch darüber, dass bei Sondaschule-Konzerten zumeist ein auffallend hoher Weibchen-Anteil in den ersten Reihen des Pogo-Mobs zu finden ist.

Man könnte. Aber das wäre lustig. An sich ist die Sache eher traurig. Es gibt drei Interpretationen des Geschehens:

  1. Die Hochschulleitung hat alle Texte wörtlich ernst genommen und war nicht imstande, Ironie und absichtlich trashigen Humor als solche/n zu erkennen.
  2. Die Hochschulleitung hat die Texte als so harmlos eingeordnet, wie sie sind, meinte aber, das Publikum schützen zu müssen, dem diese Unterscheidungsfähigkeit somit abgesprochen wird.
  3. Die Hochschulleitung hatte Angst, in ein Political-Correctness-Aufregungs-Skandälchen hinein gezogen zu werden, wenn irgendwelche überdrehten Deutungshoheitler oder Feministinnen die Meinungsmaschine anwerfen.

Nichts davon vermittelt ein beruhigendes Bild der Hochschule. War da nicht mal was von freiem Geist und offener Kultur? Sind es nicht die 68er, die heute (noch) die ganzen einschlägigen Chefsessel innehaben? Vermutlich zwischenzeitlich zu senil, um sich noch an ihre alten Ideale zu erinnern.

Wenig elegant zieht sich auch die Asta aus der Affäre: „Massiv eingeschränkter Handlungsspielraum“ und „Festival durch Streichung von Geldern in Gefahr“. Wo ist eine Asta, die zu Protesten angesichts offensichtlicher Zensur aus niedrigen Beweggründen aufruft? Wo ist die Asta, die das Festival dann eben improvisiert, illegal, aber mit um so mehr spirit durchzieht? In Siegen nicht.

Als Beitrag zur Allgemeinbildung hier noch der Track, der vor allem Faden des Anstoßes war:

Sondaschule - Faden - YouTube

Sondaschule – Faden – YouTubehttp://www.youtube.com/watch?v=HI6NR1orHA0Der Faden des Anstoßes für die Uni Siegen

 

Political Correctness at its best: Schwarzer Autor kritisiert, da er sich auf eigenem Buchcover zeigt

Ein schwarzer deutscher Autor, Marius Jung, schreibt ein Buch über rassistische Sprachfallen und zeigt sich selbst als Covermodel.

Jetzt bekommt Jung einen Anti-Preis wegen Darstellung rassistischer Inhalte. Man könnte denken, der Preis wäre aufgrund des Untertitels „Handbuch für Negerfreunde“ – das wäre schon schräg. Aber es ist noch viel großartiger: Es geht um das Cover, denn „Ich dürfe mich als Schwarzer nicht halb nackt, also als Sex-Objekt abbilden lassen„.

„Ich dachte zuerst, es ist ein Scherz“ – Süddeutsche.dehttp://www.sueddeutsche.de/panorama/anti-preis-an-marius-jung-ich-dachte-zuerst-es-ist-ein-scherz-1.2008172

Das muss man sich wirklich in genießerischen Häppchen auf der Zunge zergehen lassen: Ein Schriftsteller gestaltet aus komplett freien Stücken ein Cover, das ihn selbst in einer selbst gewählten Pose zeigt. Ein (vermutlich weißer) Studentinnen-Rat prangert den Autor dann wegen dieses Covers an – aufgrund seiner Hautfarbe. Es steht im Raum, dass ein vergleichbares Bild eines weißen Menschen unkritisch wäre.

Es ist nicht weiter schwer, der Uni Leipzig hier Rassismus reinsten Wassers nachzuweisen: Weiße, die einem Schwarzen sagen wollen, dass er aufgrund seiner Hautfarbe etwas nicht tun darf, was ein Weißer tun könnte.
Allerdings glaube ich, dass der Studentenrat in ehrenhafter Absicht gehandelt hat.
Also kein Rassismus, sondern ein Paradebeispiel für sich selbst ad absurdum führenden Political-Correctness-Wahn.

Marius Jung nimmt’s cool. Das ganze Interview ist lesenswert. Last not least noch der Link zum Buch für alle Negerfreunde:

Singen können die alle! - Handbuch für Negerfreunde

Singen können die alle! – Handbuch für Negerfreundehttp://www.amazon.de/Singen-k%C3%B6nnen-die-alle-Negerfreunde/dp/3551684480Marius Jung, schwarzer Comedian und Musiker, erklärt, wo die Fettnäpfchen stehen im Umgang mit Menschen anderer Hautfarbe. Auch wenn es nur nett gemeint ist wie zum Beispiel „Singen können die alle“ (und ebenso Tanzen, Vögeln und andere Sportarten). Mit gekonntem Witz und anhand persönlicher Erlebnisse packt Marius Jung die Hellhäutigen bei ihrer Befangenheit – ohne den gefürchteten Zeigefinger.